l_flag_netherlands.gif

Kanalgeschichte

 

Mehr als ein mit Steinen eingefasster Graben 

Der Kinda Kanal mit seinem künstlich angelegten Teil ist Teil eines Wasserweges durch ein bezaubernd schönes Kanal- und Seensystem im südlichen Östergötland. Der Kinda Kanal beginnt im See Roxen und führt dann weiter, u. a. durch die Innenstadt von Linköping. Der Kanal endet im See Åsunden bei Hycklinge/ Horn in Kinda, neunzig Kilometer weiter südlich. Oder, wenn man so will, gut 43 Fahrminuten süd. Eine Reise auf dem Kinda Kanal in Richtung Süden ist eigentlich eine Fahrt stromaufwärts, weil der Stångån einer der wenigen schiffbaren Flüsse in Schweden ist, der nach Norden fließt.

Das Stångådal war schon in der Steinzeit für Menschen attraktiv. Entlang des Wasserlaufs gab es gute Voraussetzungen für Jagd und Fischfang. Entlang des Kinda Kanals gibt es eine Reihe vor- und frühgeschichtlicher Zeugnisse. Meist handelt es sich um Gräber aus der Alt- und Jungsteinzeit (500 v. Chr. -1050 n. Chr.) in charakteristischer Höhenlage. Außer Gräbern und Wehrburgen gibt es auch Spuren von Siedlern aus der Stein- und Bronzezeit. 

Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts gab es Pläne, einen Kanal zwischen den Wäldern des südlichen  Östergötland und Linköping am Roxen anzulegen. Die Voraussetzungen waren günstig, weil man zum Großteil den Fluss Stångån und das System der Seen St Rängen, Järnlunden und Åsunden nutzen konnte, das Linköping im Norden mit dem Kindagebiet im Süden verbindet. Nur an wenigen Stellen musste man Kanalabschnitte bauen und Schleusen anlegen.

1799 begann man dann mit der Umsetzung der Kanalpläne. Ziel des Kanalprojekts war es vor allem, das Innere Östergötlands mit Holz zu versorgen. Auch Getreide und andere landwirtschaftliche Produkte wurden auf dem Kanal transportiert. In jener Zeit war die Kanalfahrt auf das Stück zwischen Horn und Labbenäs an der Nordspitze des Stora Rängen beschränkt. Nur in Brokind zwischen Stora Rängen und Järnlunden musste eine Schleuse angelegt werden. Der Schleusenbau wurde im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ausgeführt. Fehlberechnungen der Schleusenstabilität hatten zur Folge, das die Schleuse bei der Frühjahrsflut 1813 einstürzte und damit dem Kanalverkehr ein Ende setzte, der erst zwei Jahre zuvor aufgenommen worden war. Kurz nach dem Einsturz der Schleuse bei Brokind ging die Kanalgesellschaft in Konkurs.

Es dauerte dann fast 40 Jahre bis die Kanalpläne ernsthaft wieder aufgegriffen wurden. Die neue Streckenführung des Kinda Kanal folgte im Wesentlichen dem natürlichen Flusslauf des Stångån. Nur der südliche Abschnitt zwischen Stora Rängen und Hovetorp musste künstlich angelegt werden. Er ist ca. 6 km lang. Die Fortführung des Kanals am Stångån entlang nach Linköping erforderte den Bau von mehr als zehn Schleusen bei den Stromschnellen des Stångån.

1870 war der Kanal komplett fetiggestellt und wurde im Jahr darauf für den regulären Verkehr frei gegeben. Die eigentliche Glanzzeit des Kanals währte nur dreißig Jahre, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Als Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Bau der Bahnstrecke von Linköping nach Rimforsa begonnen wurde, bekam der Kanal damit starke Konkurrenz, und die Einkünfte sanken drastisch.

Seit Mitte der Vierzigerjahre hat der Verkehr auf dem Kinda Kanal nur noch Bedeutung als Freizeitabenteuer und kulturhistorisch interessantes Erlebnis.

Heute ist AB Kinda Kanal in Besitz von Landstinget i Östergötland, Linköpings Kommun, Kinda Kommun und Göta kanalbolag.